Stiftungsfest

Lätitia Kaufmannsgilde Stuttgart e.V.

134. Stiftungsfest

 

Am Sonntag, 5. Juni 2011 traf sich die Lätitia-Familie zum Festgottesdienst wieder in der St. Thomas Morus-Kirche in Stgt.-Heumaden. Herr Pfarrer Weber begrüßte die Gemeinde und hier besonders die Damen und Herren von der Lätitia Kaufmannsgilde Stuttgart e.V. Er wies auf die Bedeutung des 7. Sonntags in der Osterzeit hin, der zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten liegt, also in der Pfingstnovene, wo man nach altem Brauch um die Gaben des Heiligen Geistes bittet. In seiner Festansprache griff Herr Pfarrer Weber zurück auf die Predigt von Erzbischof Dr. Ludwig Schick zum Dank- und Sendungsgottesdienst zur Investitur und Feier „50  Jahre Komturei St. Heinrich Bamberg“ des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem am 15. Mai 2011:

„Die Damen und Ritter unseres Ordens vom Heiligen Grab sind wichtiger denn je! Wir sind eine Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern, die das religiöse Leben pflegen, mit der katholischen Kirche denken und fühlen und sich in besonderen Weise um „das Land des Herrn“ mühen. Wir haben eine dreifache Sendung, an die ich uns erinnern möchte. Sie besteht darin: 1. Fromm zu sein für die Gesellschaft, 2. Missionarisch zu sein in der Welt und 3. Solidarisch das Land des Herrn zu unterstützen. Fromm sein, klingt heute antiquiert. Von seiner Herkunft her bedeutet fromm „nützlich sein“. Echte Frömmigkeit ist nützlich für die Mitmenschen, für die Gesellschaft, für unsere Zeit und für unsere Zukunft. Fromm ist der, der in seiner Familie, an seinem Arbeitsplatz, in seiner gesellschaftlichen Position so lebt und wirkt, dass er zum Leben seiner Mitmenschen beiträgt. Wir haben es eben im Evangelium im letzten Satz gehört. Jesus sagt von sich: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“

Missionarisch sein in der Welt. Diese zweite Sendung bedeutet, dass wir unsere Mitmenschen für das Evangelium und für Jesus Christus gewinnen wollen. Missionarisch in Wort und Tat sein, ist derzeit auch in Deutschland gefordert. Es gibt dabei Schwierigkeiten. Aber es geht, wenn wir den Blick auf die Person Jesu Christi lenken. Papst Benedikt XVI. hat uns in seiner ersten Enzyklika „Deus caritas est“ deutlich gemacht, dass unser Glaube nicht Moral und Ethik, nicht Gesetz und Norm, nicht Philosophie und Idee ist, sondern eine Person. Diese Person ist Jesus Christus. Jesus spricht auch heute Menschen an. Jesus Christus, besonders jungen Menschen vor „Augen zu malen“, wie es der Apostel Paulus sagt, das ist unsere Aufgabe. Für Jesus sollen wir missionarisch sein. Für Jesus wird unsere Mission erfolgreich sein.

Der dritte und sehr spezielle Auftrag ist, solidarisch mit dem Heiligen Land zu sein. Christ ist man nur mit Jesus Christus. Jesus Christus ist Mensch geworden. Zum Menschen gehört seine Herkunft, sein Ursprung, sein Land. Man versteht einen Menschen nur, wenn man auch seine Familie und Heimat kennt. Deshalb ist das Heilige Land, das Land des Herrn, für uns so wichtig. Deshalb setzen wir uns für das Heilige Land ein. Es soll uns und allen Christen zugänglich sein und bleiben. Das Heilige Land ist das fünfte Evangelium. Wir müssen derzeit erneut und vermehrt Sorgen um das Land des Herrn haben. Die politische Situation ist im Nahen Osten prekär. Fatah und Hamas verbünden sich in Palästina. Wir wissen nicht, was das für Folgen für den Friedensprozess im Heiligen Land haben wird. Hoffentlich gute! Beten wir darum! Das Heilige Land geht über das heutige Israel und Palästina hinaus. Syrien gehört dazu, der Libanon, Jordanien, auch Ägypten, die Türkei und der Iran. In diesen Ländern befinden sich Stätten der Bibel. Sich um das Heilige Land zu kümmern, bedeutet vor allem die Aussöhnung zwischen den unterschiedlichen Nationen und Ethnien, Gruppen und Religionen zu fördern und für den Frieden zu wirken und zu beten. Wenn das Heilige Land im Frieden ist, das heißt, wenn die Menschen dort in Gerechtigkeit und Frieden zusammenleben, wird Friede auf der ganzen Welt sein. Deshalb heißt Jerusalem „Stadt des Friedens.“

Wir sind mit unseren Aufgaben, fromm zu sein für die Gesellschaft, missionarisch zu sein in der Welt, und solidarisch das Land des Herrn zu unterstützen, mehr gefordert als je. Nehmen wir diese Sendung mit aus Bamberg. Entsprechen wir dieser Sendung zu Hause und überall.“

(Auszüge aus dem von Herrn Pfarrer Weber in dankenswerter weise zur Verfügung gestellten Manuskript) Herr Pfarrer Weber vermerkte zu dieser Predigt von Erzbischof Dr. Ludwig Schick, dass diese Sendung auch für die Lätitia Kaufmannsgilde Stuttgart von Bedeutung sein könnte. Nach der Eucharistiefeier und Segen wünschte Herr Pfarrer Weber der Lätitia noch einen schönen Verlauf des 134. Stiftungsfestes.

Der fand seine Fortsetzung im Gemeindesaal von St. Michael in Stgt-Sillenbuch zunächst mit einem Stehempfang. In seiner Begrüßung bezog sich Erster Gildevorstand Roland Fröhlich auf einen Artikel in den Stuttgarter Nachrichten vom 3. März 2011 mit dem Untertitel „Ganz Wien mit Linksdrall“, wo auf den Opernball hingewiesen wurde, der seit 1877 – also auch das Gründerjahr der Lätitia Kaufmannsgilde Stuttgart – den gesellschaftlichen Höhepunkt des Abendlandes darstellt.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen unterhielten uns die 14jährigen Zwillingsschwestern Jule Beck, Harfe und Inken Beck, Cello mit ihren virtuosen Spielweisen. Mal entlockten die jungen Künstlerinnen aus ihren Instrumenten zarte, mal feurige Töne.

Hernach erzählte uns Frau Dr. Sabine Rathgeb als „Franziska von Hohenheim und Herzogin von Württemberg“ flankiert von zwei jungen Pagen aus dem Leben am Hofe. So schilderte sie uns u.A. den Tagesablauf der Pagen, vom Aufstehen in der Frühe, die Schule, die Ausbildung mit Verbeugung, die damalige Hygiene usw.

Bei den anschließenden Ehrungen wurden geehrt Manfred Feil für 25jährige Zugehörigkeit, Harald Schmid für 50 Jahre, sowie Pfarrer Wolfram Fehrle und Max Weiss für 60 Jahre Lätitia Zugehörigkeit. Dabei erwähnte Roland Fröhlich die besonderen Ereignisse in den jeweiligen Eintrittsjahren. Aus terminlichen oder gesundheitlichen Gründen haben sich entschuldigt Uwe Köhler, Franz Schlosser, Winfried Werner (50 Jahre), sowie Rudolf Bläser und Siegfried Neuner (60 Jahre). Jubilar Manfred Feil dankte im Namen aller Jubilare für die Ehrungen:

„Als Mitglied der Lätitia-Familie darf ich Sie und Euch mit – liebe Verwandte im Geiste ansprechen. Anlässlich meiner 25jährigen Zugehörigkeit möchte ich ein paar Worte des Rückerinnerns und des Dankes sagen. Lätitia bedeutet lat. Freude (Freude in Fröhlichkeit kommt in der Heiligen Schrift ca. 70 mal vor) und Gratia lat. Dank, gehören auf meinem Lebens- und Glaubensweg zurammen. Meinem Jugendfreund Harald Schmid habe ich die Freundschaft mit Hans Ruckgaber und Hermann Pfauth, dem Bruder von Margot Jachwitz, zu verdanken. In Liebe und Respekt denke ich auch an die inzwischen heimgegangenen Eltern meiner drei katholischen Freunde, weil sie mir jungem Menschen christliche Werte und die Liebe zur Kirche wegweisend erlebbar gemacht haben. Mein Freund Hans Ruckgaber nahm mich mit zu Lätitia Veranstaltungen und machte mich mit Conny Rummel bekannt. Beide luden mich nach der damaligen ökumenischen Öffnung ein, Mitglied des Vereins zu werden. Aber, dass ich nicht in den verdacht der Angeberei komme, möchte ich ganz klar sagen, dass ich mich außer  bei der Mitwirkung beim Sportler-Advent weiteres im Verein nicht eingebracht habe. Daher auch mein Dank denen von Euch, die mehr eingebracht haben und denen, die mit viel Mühe zum Gelingen des heutigen Festes beigetragen haben. Unser heutiges Fest ist wahrlich eine Freude! Und „Freude ist der Doktorhut des Glaubens“ meinte einst Martin Luther.“

(Auszüge aus dem mir von Manfred Feil in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellten Manuskript) 

Nach dem gemeinsam gesungenen Lätitialied erfreuten uns die jungen Instrumentalisten mit weiteren musikalischen Leckerbissen u.A. von den Komponisten Haydn und Händel. Ein großer Applaus entlockte dann den jungen Künstlern noch eine Zugabe.

An die Kaffeepause anschließend erzählte uns „Franziska von Hohenheim und Herzogin von Württemberg“ aus ihrem Leben. Als Franziska von Bernerdin 1748 geboren, 1764 den Freiherr Wilhelm von Leutrum geheiratet, 1772 wieder geschieden, begegnete sie 1769 „im Wildbad“ Carl Eugen. Franziska war evangelisch, der  Herzog katholisch. Nach dem Carl Eugens erste Gemahlin Elisabeth Friederike 1780 gestorben war, wurde Franziska dem Herzog (wegen der Nichtebenbürtigkeit der beiden Ehepartner) am 11. Januar 1785 „zur linken Hand“ angetraut. Franziska von Hohenheim starb 1811. Frau Dr. Sabine Rathgeb schmückte den Lebenslauf mit vielen schönen und pikanten Anekdoten  der Herzogin von Württemberg aus. Auch ihr dankten die Festgäste mit großem Applaus.

Am Ende der Veranstaltung dankte Erster Gildevorstand Roland Fröhlich allen Helfern beim Vorbereiten und Durchführung dieses Festes, allen Gästen für ihre Teilnahme und Herrn Pfarrer Weber für den Festgottesdienst. Herr Pfarrer Weber dankte seinerseits Roland Fröhlich für dieses gelungene 134. Stiftungsfest, das mit dem gemeinsam gesungenen Lied „Ein schöner Tag ward uns beschert“ zu Ende ging.    (Foto Dieter Pohl)                                                                                                         L.L.